Mit dem Umweltpreis TROPHÉE DE FEMMES zeichnet die Umweltstiftung FONDATION YVES ROCHER jährlich drei Frauen für ihr Engagement im Umweltschutz aus. Frauen, die sich weltweit für Naturschutz und die Artenvielfalt unserer Erde einsetzen. Erstmals in 2019 vergibt die FONDATION YVES ROCHER unter den drei TROPHÉE DE FEMMES-Preisträgerinnen zusätzlich den Social Media Nachhaltigkeits-Award.

Hier stellen wir Euch die drei TROPHÉE DE FEMMES-Preisträgerinnen des Jahres 2019 vor, die von einer Fachjury ausgewählt wurden. Ihr Engagement reicht von Tropenwald-Schutzprojekten in Südamerika über Schutz der Fluss-Landschaften auf dem Balkan bis hin zum Einsatz für den Erhalt der Ökosysteme in Nepal. Der Social Media Nachhaltigkeits-Award ist mit 1.000 € dotiert und wird im Rahmen der TROPHÉE DE FEMMES-Preisverleihung an die Preisträgerin verliehen.

Elke Mannigel
Tropenwaldschutz und Armutsbekämpfung in Guatemala Mehr Infos
Cornelia Wieser
Save the Blue Heart of Europe – Einsatz für die Flüsse auf dem Balkan Mehr Infos
Stella Deetjen
Einsatz für Erhalt der Ökosysteme und Lebensräume Nepals - Back to Life.e.V. Mehr Infos
 
 

ELKE MANNIGEL

Tropenwaldschutz und Armutsbekämpfung
in Guatemala

Elke Mannigel setzt sich seit über 20 Jahren weltweit für den Schutz des Tropenwaldes ein. Sie hat Tropenwald-Schutzprojekte in Mexiko, Venezuela, Ecuador, Kuba, der Dominikanischen Republik und Indonesien initiiert, koordiniert und begleitet deren Umsetzung bis heute. Seit 2003 liegt der Schwerpunkt ihres Engagements in Guatemala. Tropenwälder zählen zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Erde. Sie sind Lebensraum für rund Zweidrittel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten. Die Tropenwälder sind außerdem riesige Kohlenstoffspeicher und helfen, das Weltklima zu stabilisieren. Auch liefern sie als Wasserspeicher Frischwasser für Millionen von Menschen; zudem Nahrung, Kaffee und Kakao, medizinische Wirkstoffe sowie Holz. Elke Mannigels Ziel ist der Schutz und die Regenerierung des Waldes in Guatemala nach ökologisch und sozial nachhaltigen Kriterien. Das Besondere an ihrem Engagement ist die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Naturschutz und Entwicklungszusammenarbeit: alle Projekte werden gemeinsam mit den Menschen in den Projektregionen entwickelt und durchgeführt.

 
 

ELKE MANNIGEL

Die Tropenwald-Schutzprojekte in Guatemala von Elke Mannigel verfolgen drei Hauptziele:

  1. Waldschutz: Die Primärwälder werden vor weiterer Zerstörung geschützt und degradierte Waldflächen mit Setzlingen wiederaufgeforstet oder regeneriert.
  2. Erhalt der biologischen Vielfalt: Mit dem Regenwald wird auch der Lebensraum vieler bedrohter Tierarten geschützt. Der Einsatz von Rangern reduziert Wilderei und durch Biodiversitäts-Monitoring werden die Bestände seltener Arten kontinuierlich überwacht.
  3. Lokale Entwicklung: Um einen dauerhaften Erhalt der Regenwälder zu gewährleisten, müssen auch die Menschen der Region vom Waldschutz profitieren. Alternative Einkommensquellen und die Einführung nachhaltiger landwirtschaftlicher Methoden unterstützen daher die Schutzmaßnahmen.

So forstet Elke Mannigel gemeinsam mit den Menschen vor Ort Regenwald auf, richtet Wald-Schutzgebiete ein und entwickelt alternative und waldschonende Einkommensquellen. Dabei gehen Waldschutz, Armutsbekämpfung und Bildung Hand in Hand: Die Menschen werden aktiv in die Umsetzung der Schutzma&azlig;nahmen eingebunden und profitieren von Wiederaufforstung und Wasserschutzmaßnahmen.

 
 

ELKE MANNIGEL

So führt Elke Mannigel sehr erfolgreich Agroforstsysteme ein: Das sind artenreiche "Waldgärten", in denen Nutzpflanzen wie Kakao oder Bananen im Einklang mit heimischen, schattenspendenden Regenwaldbäumen wachsen – eine für diese Region neue Art der Landwirtschaft. Weiter verbessern die Einführung von Brennholz sparenden Kochherden, die Verbesserung der Ernährungssituation durch Hausgärten und Kleintierzucht, Mikrokredit-Programme für Frauen zur Gründung von Kleinunternehmen sowie die Reduzierung von Umwelt- und sozialen Risiken die Lebensbedingungen der Bevölkerung spürbar. Ergänzend dazu schaffen Umweltbildungsangebote Bewusstsein und neue Perspektiven. Die Menschen erleben, wie positiv sich der Regenwaldschutz in ihrem Alltag auszahlen kann, und unterstützen ihn darum aktiv.

Elke Mannigel arbeitet heute mit 13.000 Familien in 360 Gemeinden Guatemalas und unterstützt ihre Partner-Organisation vor Ort beim Schutz von 466.267 Hektar Regenwald in drei großen nationalen Schutzgebieten. In den letzten Jahren hat sie in Guatemala die Wiederaufforstung und Regeneration von rund 950 ha Tropenwald initiiert.

 
 

CORNELIA WIESER

Save the Blue Heart of Europe –
Einsatz für die Flüsse auf dem Balkan

Cornelia Wieser versucht seit 2012 die letzten freiflie&szlif;enden Fluss-Landschaften Europas – die Flüsse auf dem Balkan im Südosten Europas – vor der Zerstörung durch eine Vielzahl von Staudämmen und anderen Eingriffen in die natürliche Flusslandschaft durch den Menschen zu bewahren. Einhergehend ist eine große, teilweise endemische Artenvielfalt massiv bedroht, also Tiere und Pflanzen, die nur dort vorkommen.

Die Flusslandschaften der Balkanhalbinsel (Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien & Herzegowina, Albanien, Mazedonien, Montenegro, Kosovo, Bulgarien sowie Teile von Griechenland und der Türkei) sind einmalig. Nirgendwo sonst auf der Welt findet man noch eine so überwältigende Zahl und Vielfalt an nahezu unberührten Fließgewässern. Die Balkanflüsse gehören zu den wichtigsten Zentren europäischer Artenvielfalt, vor allem für Fische (z.B. Huchen) und Weichtiere. Doch dieses einzigartige Naturjuwel ist bedroht: 2.796 Wasserkraftwerke (einschließlich Kleinwasserkraftwerke mit einer Kapazität von 0-1 MW) sollen dort in den nächsten Jahren gebaut werden. Nicht einmal Nationalparks bleiben verschont.

 
 

CORNELIA WIESER

Cornelia Wieser engagiert sich seit 2012 federführend für das Projekt „Save the Blue Heart of Europe“ und versucht die Fluss-Landschaften der Balkanhalbinsel vor der Zerstörung durch eine Flut von Staudämmen und anderen Bauvorhaben zu bewahren.
Die Ziele von Cornelia Wieser und ihrem Projekt „Save the Blue Heart of Europe“ sind:

  1. Aufklärung der Öffentlichkeit über den ökologischen Wert und die Bedrohung der Balkanflüsse
  2. Reduktion und Beendigung der Staudammprojekte in den Schwerpunkt-Gebieten des Projektes
  3. Vergrößerung des Wissens über die Artenvielfalt und die sensiblen Naturlandschaften der Balkanflüsse

Cornelia Wieser setzt sich dafür ein, dass Planungen zum Ausbau der Wasserkraft Aspekte des Naturschutzes berücksichtigen. Derzeit sind jedoch Staudämme im gesamten Fluss-Netzwerk der Balkanhalbinsel geplant oder bereits im Bau. Vor wenigen Wochen veröffentlichte Cornelia Wieser zusammen mit der Umweltschutz-Organisation RiverWatch darum einen "Eco-Masterplan for Balkan Rivers" mit ausgewiesenen No-Go-Zonen für den Ausbau von Wasserkraft, der auf einem umfassenden wissenschaftlichen Datensatz basiert. Ziel ist, dass sich Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft zu diesem Eco-Masterplan bekennen und keine Projekte in den No-Go-Zonen genehmigen bzw. finanzieren.

 
 

CORNELIA WIESER

Für den Erfolg dieser Maßnahmen ist es wichtig immer mehr Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schaffen und somit den Druck auf Entscheidungsträger zu erhöhen. So organisierte Cornelia Wieser beispielsweise den First European Rivers Summit in Sarajevo und erstellte ein Memorandum für die Balkan-Flüsse, das 228 Wissenschaftler aus 33 Ländern unterzeichneten.

Das Teilprojekt "Artists for Balkan Rivers" ist besonders öffentlichkeitswirksam, das überaus erfolgreiche Concert for Balkan Rivers in Sarajevo und des Concert for Vjosa in Tirana sind nur zwei Beispiele dafür.

Zudem betreibt Cornelia Wieser intensive Öffentlichkeitsarbeit, versucht immer mehr Stakeholder in das Projekt zu involvieren, lobbyiert auf EU-Ebene, bei internationalen Naturschutz-Konventionen und nationalen Entscheidungsträgern.

Außerdem versucht sie Fluss-Initiativen am Balkan und in ganz Europa miteinander zu vernetzen und somit die Lobby für die Flüsse zu vereinen und stärken.

 
 

STELLA DEETJEN

Einsatz für Erhalt der Ökosysteme und Lebensräume Nepals - Back to Life.e.V.

Stella Deetjen engagiert sich seit 2009 für Umweltschutz in Nepal. Ihre Projekte zielen darauf ab, Nepals wertvolle Öko-Systeme und Lebensräume zu erhalten. Sie setzt sich gegen Abholzung von Wäldern und Armut ein und engagiert sich für nachhaltiges Waldmanagement, Nutzung erneuerbarer Energien sowie Schutz des Lebensraums vor Plastikabfällen.

Der hohe Verlust an Waldfläche entwickelt sich zu einem immer größeren Problem für den Klima- und Artenschutz. Nepal, eines der sogenannten Least Developed Countries, zählt zu den 10 asiatischen Ländern mit dem höchsten absoluten Waldverlust (WWF 2018). 1966 waren 45 Prozent der Flächen in Nepal bewaldet. Heute sind es nur noch knapp über 25 Prozent. Die treibenden Faktoren hinter dem starken Rückgang und der Degradierung der Waldflächen sind vielfältig, es besteht aber Konsens darüber, dass Energiegewinnung durch Feuerholz einer der wichtigsten Faktoren für Nepals Waldverlust darstellt.

 
 

STELLA DEETJEN

Das Projekt von Stella Deetjen zeichnet sich durch eine enge Partnerschaft mit der lokalen Bevölkerung und dem gelebten Leitprinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" aus. Ziel ist es, Menschen auf dem Weg in die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu unterstützen.
Die Umweltinitiativen von Stella Deetjen verfolgen drei Hauptziele:

  1. Schutz der lokalen Waldressourcen durch verminderten Verbrauch von Feuerholz in ländlichen Haushalten
  2. Förderung von sauberer, erneuerbarer Energie auf Haushaltsebene durch den Einsatz von Solarzellen
  3. Mobilisierung von Kindern und Jugendlichen für den Umweltschutz

Um diese Ziele zu erreichen, hat Stella Deetjen folgende Initiativen implementiert: Durch die Einführung von energie-effizienten, rauchfreien Öfen sowie Biogasanlagen wird der Verbrauch an Feuerholz pro Haushalt um ca. 50% gesenkt. Durch die Schonung des Waldes wird der Lebensraum von Tieren und Pflanzen geschützt, das Risiko von Naturkatastrophen reduziert und ein positiver Klimaeffekt erzielt. Darüber hinaus wird Frauen und Mädchen die tägliche Arbeit erleichtert. Bis heute hat Stella Deetjen die Installation von 2.421 energie-effizienten Öfen sowie von 57 Biogasanlagen realisiert.

 
 

STELLA DEETJEN

Durch den Zugang zu nachhaltiger, erneuerbarer Energie mit Hilfe von Solarzellen, wird ein entscheidender Beitrag zur Erhöhung des Lebensstandards der Dorfbevölkerung sowie zum Umweltschutz geleistet: Riskante offene Feuerstellen und Kerosinlampen werden ersetzt, damit senkt sich der Ausstoß von CO², das Brandrisiko vermindert sich erheblich und die Luftqualität wird verbessert. Darüber hinaus profitiert die ganze Familie davon, abends Licht zur Verfügung zu haben, um Handarbeiten oder Hausaufgaben zu erledigen. Dies kann einen entscheidenden Beitrag in der Armutsbekämpfung und zur Optimierung der Bildungsmöglichkeiten leisten.

Bis heute konnte Stella Deetjen 2.649 Solarlichtanlagen installieren. Allein im District Mugu konnten mit ihrer Hilfe bisher knapp 30 Prozent der Haushalte im Distrikt (ca. 55.000 Einwohner) mit sauberer Energie versorgt werden. Da umweltbewusstes Verhalten ein wichtiger Faktor für effektiven Ressourcenschutz ist, engagiert sich Stella Deetjen ebenfalls im Thema Umwelterziehung. Durch gemeindebasierte Initiativen werden Kinder und Jugendliche darin unterstützt, selbst für den Umweltschutz aktiv zu werden und ihre Familien und Freunde darüber aufzuklären. Stella Deetjen erreicht mit ihrem Projekt direkt 45.000 Menschen, darunter ca. 8.700 Kinder.